Die Kapelle St. Peter

Die Kapelle St. Peter am südlichen Ortsrand von Kempen ist der älteste kirchliche Bau des Kempener Landes und des Kreises Viersen. Sie ist die Mutter­kirche von vielen umlie­gen­den Gemeinden: Anrath, Willich, Hüls, St. Hubert, Oedt, St. Tönis, Vorst und natürlich Kempen.

 

Der Legende nach hat Kaiser Karl der Große die Kapelle St. Peter zum Dank erbauen lassen, nachdem er sich auf der Jagd in den Wäldern verirrt und mit Hilfe eines Bauern wieder heraus­gefunden hatte. Papst Leo III. soll die Kapelle geweiht haben, als er im Jahre 803 nach Kaisers­werth zur Heilig­sprechung des Hl. Suitbertus reiste.

 

Schon um 1010 wurde die Kirche von Anrath aus dem Kempener Pfarr­sprengel heraus­gelöst. Daher muss es schon vor dieser Zeit eine Pfarre Kempen mit einer Kirche gegeben haben. Dies war jedoch wahr­schein­lich eine Holz­kirche als Vor­gänger zu der jetzigen aus Stein gebauten Kapelle.

 

Der älteste Teil der Kapelle, der vordere Bereich des Lang­hauses, dürfte im späten 11. Jahr­hun­dert erbaut worden sein. Um 1200 wurde der Altar­raum nach Osten als Recht­eck­chor erweitert und um 1360 eine gotische Tauf­kapelle, die jetzige Sakristei, im Süden angebaut. Die Kapelle ist aus Tuff­stein gebaut, erst im Jahre 1963 wurde sie verputzt und erhielt so ihr heutiges Aussehen.

 

Im Glockenturm der Kapelle befindet sich eine 50 kg schwere Glocke mit der Aufschrift: „AD GLORIAM DEI HONOREM B MARIAE VIRGINES JOHAN LEHR ME FECIT COLONIA 1667“ (dtsch: „Zur Ver­herr­lichung Gottes und zur Ehre der seligen Jungfrau Maria hat Johannes Lehr mich gemacht. Köln 1667“). Der Glocken­turm und das ganze Dach der Kapelle wurden im Jahre 1953 von der Firma Stephaudt & Verhasselt erneuert.

Im Innenraum fällt der Blick schnell auf die bemalte Holz­decke (siehe Absatz „Die prächtige Holz­decke der Kapelle“ weiter unten). Sie wurde Ende des 19. Jahr­hunderts geschaffen und zeigt die Bilder Mariae Verkün­digung, Mariae Heim­suchung und die Geburt Jesu, außerdem Bilder von verschie­denen Päpsten.

 

Erwäh­nens­wert sind auch die Heiligen­figuren an den Wänden im Lang­haus (16. bis 18. Jh.) und das Kreuz im Altar­raum (13. Jh.). Die Figuren stellen den Kirchen­patron, den Hl. Petrus (nördliche Lang­schiff­wand vorne) und die Mutter­gottes als Himmels­königin dar (nörd­liche Lang­schiff­wand, hinten), um 1750. An der Südseite sieht man den hei­li­gen Anto­nius („Ferkestünn“) und den hei­li­gen Rochus, beide bei der bäuer­lichen Land­bevöl­ke­rung sehr beliebte Hei­lige. Die Figuren stam­men aus dem 17. Jahr­hun­dert und flan­kier­ten den barocken Hoch­altar.
Dieser  Altar mit dem Gemälde „Berufung des Petrus“ (s. Foto unten von 1907) wurde um 1950 entfernt und durch eine stei­nerne Mensa ersetzt. Nach dem Zweiten Vatika­ni­schen Konzil wich sie einem hölzer­nen Volks­altar.

 

Bis zum Jahre 2017 wurden in der Kapelle regelmäßig heilige Messen gefeiert. Seit dem Weggang von Pastor Theo Derstappen, der nach seinem eisernen Priester­jubiläum im Alter von 94 Jahren den Dienst in der Kapelle aufgab, finden hier keine Messen mehr statt. In Gedenken daran, dass St. Peter die Urkirche von St. Mariae Geburt ist, feiern alle Kempener Gemein­den zum Patro­nats­fest von St. Marien (am Sonntag vor dem Fest Johan­nes der Täufer, 24. Juni) eine heilige Messe unter den Bäumen von St. Peter.

 

St. Peter ist der Mittelpunkt des Pasto­ralen Raums Kempen-Tönisvorst. Aus diesem Grund hat bereits seit 2022 vor der Kapelle St. Peter ein Ernte­dank­fest stattgefunden, das von allen Gemeinden der GdG Kempen-Tönis­vorst organisiert und gefeiert wurde und das als gemein­same Aktion regel­mäßig wieder­holt werden soll.

Öffnungszeiten der Kapelle

Von März bis Oktober ist die Kapelle an jedem ersten Sonntag im Monat, jeweils von 13 bis 17 Uhr, zur Besich­tigung und zum Gebet geöffnet. An diesen Tagen wird um 16.30 Uhr eine kurze Andacht angeboten.

An einem ausgewählten Sonntag gibt es auch in der Advents­zeit eine kurze Andacht. Auch in der Zeit nach Weih­nach­ten wird die Kapelle an einigen Tagen geöffnet, und es gibt die Möglich­keit, die Krippe zu besuchen.

 

Infos über Gottesdienste, Konzerte und Lesungen in der Kapelle St. Peter und alle aktuellen Termine finden Sie auf der Seite Veranstaltungen.

Gedenken an Pastor Theo Derstappen

Es gibt keinen Geistlichen, der die Kapelle St. Peter und seine Gemeinde über Jahr­zehnte so geprägt hat wie Pastor Derstappen. Seinem Gedenken widmen wir eine eigene Seite über sein Leben und sein Wirken in St. Peter.

Engagement für die Kapelle und Förderverein

Im Laufe der Jahrhunderte waren es immer wieder die umlie­gend­en Bauern und die Besucher der Kapelle, die sich für die Reno­vie­run­gen und die Erhal­tung der Kapelle einsetzten und sie zu einem großen Teil durch Spenden finan­zierten.

Seit 2008 gibt es auf Anregung von Pastor Derstappen einen Förder­verein. Wir freuen uns, wenn auch Sie Mitglied des Vereins werden möchten. Informa­tionen zum „Förderverein Kapelle St. Peter e.V.“ und über seine zahl­reichen Akti­vi­täten finden Sie unter „Der Verein“.

Die prächtige Holzdecke der Kapelle

Die Holzkassettendecke der Kapelle St. Peter wurde nach 1889 von Schülern der Schule Friedrich Stummel ausgemalt.
Friedrich Franz Maria Stummel (* 1850 Münster, † 1919 Kevelaer) war ein vor allem als Maler der Naza­rener Kunst bekannter Künstler, der eine Vielzahl von Kirchen ausmalte. Seine bedeu­tend­sten Aufträge waren 1881 die Beicht­kapelle und ab 1888 die Gnaden­kapelle in Kevelaer. 1891 begann die Ausmalung der dortigen Marien­basilika, die mehr als drei Jahr­zehnte dauerte. Von 1895 bis 1906 malte er Kirchen u.a. in Köln, Luxem­burg und Berlin aus. Stummel und seine Schüler waren auch verant­wort­lich für die orna­men­tal gemalte Gestal­tung zahl­reicher Dorf­kirchen am Nieder­rhein. 1901 bekam Stummel den päpst­lichen Gregorius­orden verliehen.

 

Die Holzdecke in der Kapelle St. Peter ist in der Mitte in nahezu quadra­tische, an den Seiten in hoch­recht­eckige Felder ein­ge­teilt. In der Mitte der Decke sind vom Chor her gesehen der Hl. Petrus, Mariae Verkün­digung, Mariae Heim­suchung und Christi Geburt dargestellt.
Dazwischen finden sich Bilder der Quelle leben­digen Wassers und des geistlichen Gefäßes. Links und rechts finden sich Dar­stel­lungen der heili­gen Päpste Silvester I., Gregor I., Pius V., Leo I., Leo IX. und Gregor VII., die durch Schmuck­felder von­ein­ander getrennt werden. Was der Auswahl dieser Päpste zu Grunde lag, ist nicht bekannt.

 

Unmittelbar am Eingang, unter dem Glocken­turm, befindet sich das Bild mit der Dar­stel­lung der Geburt Christi. In diesem Teil der Decke ist ein kreis­förmiges Loch zu erkennen. Dort verlief in früheren Zeiten das Zugseil zur Betäti­gung der Glocken.

 

Über die Holzdecke der Kapelle ist im Jahr 2015 eine Broschüre mit attrak­tiven Fotos von Josef Lamozik (Kempen) erschienen, die Sie gegen eine Schutz­gebühr von 1 € in der Kapelle oder bei der Vor­sit­zenden des Förder­vereins erhalten können. Die Motive der Holzdecke finden Sie auch in der nach­ste­hen­den Foto­galerie.

Die einzelnen Motive der Holzdecke